








Nach dieser Darstellung eines "Zeitzeugen" besteht also kein Zweifel mehr, daß es sich bei dem Skelett in Sarg G um den Grafen Georg Hermann aus der Linie Altleiningen handelt. Graf Georg Hermann war wohl der bedeutendste Graf der Linie Altleiningen im 18. Jahrhundert, geboren am 21. März 1679, diente er in seinen jungen Jahren in der holländischen und in der französischen Armee. 1721 übernahm er von seinem Vater, Christoph-Christian, die Regierung über die Grafschaft. Graf Georg Hermann brachte die Grafschaft, die durch den vorangegangenen Erbfolgekrieg schwer gelitten hatte, wieder in einen blühenden Zustand. Am 24. Dezember 1724 heiratete Graf Georg Hermann in zweiter Ehe Charlotte-Wilhelmine, Gräfin und Erbmarschallin zu Pappenheim. Am 1. April 1727 legte er den Grundstein zum Neubau der Martinskirche in Grünstadt, die im orleanschen Krieg schwer beschädigt war. Für die Altleininger und die Neuleininger Grafenfamilien wurden bei dem Kirchenbau 2 sich gegenüberliegende Erbgrüfte angelegt, welche anläßlich dieser wissenschaftlichen Untersuchung geöffnet werden konnten. Ferner ließ Georg Hermann die Kirche in Tiefenthal erbauen, sowie den von seinem Vater begonnenen Kirchenneubau in Altleiningen vollenden. Es war ein großer Verdienst des Grafen Georg Hermann, daß er die seit 1630 geschlossene Lateinschule in Höningen 1729 nun in seiner Residenz Grünstadt wieder neu begründete. Auf dem prachtvollen Portrait des Rokoko-Fürsten sind, wohl in Erinnerung an diese Tat, im Hintergrund die Höninger Klosterschulruinen festgehalten worden. Außerdem ließ er an seinem Grünstadter Schloss, dem Leininger Unterhof, einen Lustgarten anlegen. 1750 wurde auf Anregung seiner zweiten Gemahlin das Grünstadter Waisenhaus erbaut, heute Rathaus der Stadt Grünstadt. Der allseits beliebte Landesherr starb im Jahre 1751 und wurde als erster Graf in der Altleininger Gruft der damals neu erbauten Martinskirche zu Grünstadt beigesetzt.Unser nicht gering zu preisender Herr Graf Georg Hermann mußte bei allen diesen weltlichen und frommen Absichten und christlichem Ertragen in seinen alten Tagen ein schweres Unglück erleben, daß ihm bei dem Schlosse durch Ausglitschung der Füße ein schwerer, geladener Wagen über beide Unterschenkel fuhr und zerquetschte, wodurch er bis an sein Ende große Schmerzen und Ungemach auszustehen hatte, jedoch ziemlicher Maßen wiederum restituiert worden.
aus Johann Ludwig Knoch
Die Leininger Grüfte. In der Martinskirche zu Grünstadt.
von Günter Herrmann, Per Holck, Horst Wilhelm
ISBN: 3-00-007212-8